Die Morocco-Surftrip-Packliste, die sonst keiner schreibt
Jede Packliste für Morocco liest sich, als hätte sie jemand geschrieben, der noch nie da war. „Vergiss die Sonnencreme nicht!“ Cool, danke. Und in der Zwischenzeit stehst du im Februar um 7 Uhr morgens am Panorama, wunderst dich, warum deine Füße taub sind und dein Reiseadapter nicht in die Steckdose passt.
Hier ist die ehrliche Version: Was wirklich in deine Tasche gehört für einen Surftrip nach Taghazout oder Tamraght, was reine Platzverschwendung ist und wie sich die Liste zwischen einem Trip im Juli und einem im Januar unterscheidet. Denn das sind im Grunde zwei völlig verschiedene Welten.
Erstens: Die Sache mit der Saison (darum dreht sich alles)
Die Surfsaison in Morocco geht grob von September bis April, wobei die größten und beständigsten Swells zwischen November und Februar reinkommen. Der Sommer (Juni–August) bringt kleine, kraftlose Wellen und warmes Wasser – super für Anfänger, aber ziemlich unspektakulär für alle, die auf Anchor Point lauern. Das ändert einfach alles für dein Gepäck.
Die Wassertemperatur schwankt von etwa 22°C im Spätsommer bis zu 16°C im Januar. Die Lufttemperatur ist noch tückischer: Morgens an der Küste hat es im Winter oft nur 10–12°C. Wenn du europäische Winter gewohnt bist, klingt das vielleicht tropisch – bis du mit nassen Haaren und einem feuchten 4/3er-Neoprenkragen im Nacken auf einer Dachterrasse stehst.
Deshalb ist die folgende Packliste für den Morocco-Surftrip nach Monaten aufgeteilt. Such dir deinen Monat raus, den Rest kannst du ignorieren.
Die Sachen, die immer ins Gepäck gehören – das ganze Jahr über
Einigen Dingen ist es völlig egal, welcher Monat gerade ist. Das hier ist die absolute Basisausstattung.
- Ohrstöpsel. Keine Option, sondern Pflicht. Das „Surfer's Ear“ (Gehörgangsexostose) ist kein Mythos, der Atlantik ist hier kalt genug, um es auszulösen, und jeder zweite Surfer über 30, den du in Tamraght triffst, hat die OP schon hinter sich. SurfEars oder Docs Pro Plugs. Kauf sie vor dem Abflug – vor Ort wirst du sie nicht finden.
- Rifffreundliche Zink-Sonnencreme. Normales Zeug aus der Drogerie wäscht sich nach 20 Minuten ab. Hol dir einen Stick für das Gesicht. Die Sonne in Morocco um 11 Uhr morgens am Draculas verhandelt nicht.
- Ein Universal-Reiseadapter mit Typ-C- und Typ-E-Steckern. In Morocco werden europäische zweipolige Steckdosen verwendet. Dein UK-Adapter, dein US-Adapter und die Hälfte der „Universal“-Teile auf Amazon sitzen in den Steckdosen in Morocco oft nicht richtig. Teste es vor dem Abflug.
- Ein Mikrofaser-Handtuch. Dein Surf-Camp stellt zwar Handtücher, aber für den Strand willst du dein eigenes – Sand lässt sich von Mikrofaser leicht abschütteln, von dem flauschigen Baumwolltuch aus deinem Bad eher nicht.
- Ein Dry Bag (ca. 10L). Für Handy, Schlüssel und Portemonnaie, wenn du zum Devil's Rock runterläufst oder mit einem nassen Neo im Grand Taxi sitzt.
- Bargeld. Euro zum Wechseln und, sobald du hier bist, kleine Dirham-Scheine. Mehr dazu weiter unten, weil es echt wichtig ist.
- Eine einfache Reiseapotheke. Für Schnitte am Riff, Ohrenentzündungen und den Imodium-Moment nach deiner ersten Tajine aus einer Bude, bei der du besser nicht gegessen hättest. Bring antibiotische Salbe und Elektrolytpulver mit.
Das ist die Basis. Jetzt zu den saisonalen Sachen.
Juni, Juli, August: Die Boardshorts-Monate
Der Sommer in Taghazout ist warm, die Wellen sind klein und surftechnisch ist es ehrlich gesagt ziemlich ruhig. Die Beachbreaks funktionieren, die Bucht von Imsouane ist ein Longboard-Spielplatz und die Pointbreaks schlafen. Dein Gepäck ist leicht.
Neoprenanzug-Situation: An den meisten Tagen Boardshorts oder Bikini. Ein 2mm Shorty oder Springsuit für die frühen Sessions, bevor der Wind warm wird. Komplette 3/2er sind übertrieben – du gehst beim Rauspaddeln ein und ziehst ihn nach einer Session direkt wieder aus.
Was du einpacken solltest:
- Zwei Boardshorts (eine trocknet immer)
- Ein Lycra (Rashguard) mit UPF 50 – die Sonne im Juli ist hier nicht mit Cornwall zu vergleichen
- Ein Sonnenhut mit breiter Krempe für den Rückweg vom Strand
- Sandalen oder Flip-Flops, bei denen es dir nicht wehtut, wenn du sie verlierst
- Lockere Leinen- oder Baumwollkleidung für die Abende – in Tamraght gibt es eine warme Brise aus dem Landesinneren, die wirklich angenehm ist
- Ein Langarmshirt und eine lange Hose für die Abende in Agadir oder Marrakech, falls du dort den Anfang oder das Ende deines Trips verbringst
Was du weglassen kannst: Alles aus Wolle oder Fleece, deinen 4/3er und – bitte – Riffschuhe. An den Anfänger- und Intermediatespots gibt es keine ernsthaften Riffe, um die man sich Sorgen machen müsste. Am Killer Point gibt es zwar Seeigel, wenn man zu weit reingespült wird, aber wenn du im Juli am Killer bist, hast du ohnehin andere Probleme.
September, Oktober: Das Gepäck für die goldene Zwischenzeit
Die besten Monate, wenn du mich fragst (völlig subjektiv). Das Wasser ist noch warm, die ersten richtigen Swells rollen an und es ist leerer als ab November. Dein Gepäck entspricht im Wesentlichen der Sommerliste, plus eine Ergänzung.
Neoprenanzug-Situation: Ein 3/2er Fullsuit ist hier die beste Wahl. Das Wasser hat um die 20°C, morgens und abends kühlt es ab, und wenn du drei Sessions am Tag machst, wirst du die zusätzliche Wärme bei der dritten Session zu schätzen wissen. Manche kommen im September noch mit einem Springsuit durch – je nachdem, wie kälteempfindlich du bist.
Zusätzlich zur Sommerliste:
- Ein leichter Hoodie oder Pullover für die Abende – nach Sonnenuntergang im Oktober kann das Abendessen auf der Dachterrasse etwas frisch werden
- Eine lange Hose, die du auch wirklich anziehst und nicht nur mitschleppst
- Ein langärmliges Lycra für die frischen Dawn Patrol Sessions
Lass schwerere Sachen zu Hause. Der Oktober ist kein Winter, auch wenn deine Instagram-Freunde in Cornwall schon im 5mm-Anzug stecken.
November, Dezember: Die Übergangsfalle
Hier machen viele beim Packen Fehler. Sie lesen „Morocco“ und packen Shorts ein. Sie lesen „Winter-Surf“ und packen einen 5/4er ein. Beides ist falsch.
Neoprenanzug-Situation: Ein 3/2er funktioniert meist noch bis weit in den November hinein. Ab Mitte Dezember solltest du auf einen 4/3er wechseln. Das Wasser kühlt auf etwa 17–18°C ab und die Morgenstunden sind bissig. Wenn du nur einen 3/2er besitzt, bring ihn zusammen mit einem Thermo-Unterzieher mit – damit kommst du gut durch.
Was dazukommt:
- Ein richtig warmer Hoodie, kein dünnes Ding fürs Fitnessstudio
- Warme Socken (ja, wirklich – die Fliesenböden in deinem Surf-Camp sind im Dezember kalt)
- Eine Mütze für den Weg zum Strand um 6:45 Uhr morgens
- Eine leicht verpackbare Regenjacke – es regnet zwar selten, aber wenn, dann meistens quer
Was du weglassen kannst: Eine Daunenjacke. So kalt ist es nicht. Ein dicker Hoodie mit einer winddichten Schicht darüber reicht völlig aus. Lass auch die Neoprenhaube erst mal weg – die brauchst du jetzt noch nicht.
Januar, Februar: Das echte Wintergepäck
In dieser Zeit macht Morocco seinem Ruf für legendäre Swells alle Ehre. Anchor Point, Killer, Boilers – alle laufen. Das ist auch die Zeit, in der deine Taghazout-Packliste langsam so aussieht, als würdest du im April nach Portugal reisen.
Neoprenanzug-Situation: 4/3er Fullsuit, ohne Diskussion. Das Wasser hat 16–17°C, die Luft morgens oft nur 11°C. Wenn du schnell frierst, pack eine 2mm Neoprenhaube ein – du wirst sie wahrscheinlich nicht bei jeder Session brauchen, aber an den zwei kältesten Morgen wirst du dir selbst dafür danken. Booties? Kannst du weglassen, es sei denn, du weißt, dass du regelmäßig am Killer oder an einem anderen Riff-Spot surfst. Für Anchor, Panorama, Banana und Devil's Rock reichen nackte Füße völlig aus.
Was zusätzlich zur November-Liste dazukommt:
- Eine zweite lange Hose – Jeans trocknen nur langsam und die winterliche Luftfeuchtigkeit in Morocco ist nicht zu unterschätzen
- Warme Schichten zum Kombinieren (Zwiebelprinzip): Merino-Unterwäsche, ein Hoodie, eine winddichte Jacke. Besser als ein einziger dicker Mantel
- Hausschuhe für das Riad. Vertrau mir einfach.
- Eine Wärmflasche, wenn du eine echte Frostbeule bist (und das sage ich mit ganz viel Liebe)
Was du weglassen kannst: Handschuhe. Dafür ist es einfach nie kalt genug, und das Paddeln mit nassen Fingern ist im 4/3er absolut okay. Ein 5/4er Anzug – völlig übertrieben, es sei denn, du gehörst zu den Leuten, die eine Jacke im beheizten Pool tragen.
März, April, Mai: Das Gepäck für die Nebensaison
Das Wasser wird wärmer, ab und zu ballert der Swell noch ordentlich und die Massen lichten sich. Im Grunde die November/Dezember-Liste rückwärts: Du startest mit dem 4/3er und wechselst bis April auf den 3/2er.
Die einzige nennenswerte Ergänzung: ein Windbreaker. Im Frühling frischt der Wind an der Küste nachmittags oft auf, und du wirst froh sein, eine leichte Jacke für den Rückweg vom Strand überwerfen zu können.
Ansonsten halte dich an die Oktober-Liste.
Die Dinge, vor denen dich keiner warnt (pack sie trotzdem ein)
Ein paar ziemlich unglamouröse Dinge, die für deine Reise aber einen riesigen Unterschied machen.
- Euro-Scheine in kleinen Stückelungen zum Wechseln. Bring 20er und 50er mit, keine 100er und 200er. Die Wechselstuben in Agadir bevorzugen kleinere Scheine, und du bekommst oft bessere Kurse.
- Sobald du Dirham hast: kleine Scheine. 20er, 50er und 100er sind Gold wert. Weder am Obststand noch in der Tajine-Bude in Aourir oder beim Grand-Taxi-Fahrer hat jemand Wechselgeld für einen 200-Dirham-Schein. Das ist das am leichtesten vermeidbare Ärgernis eines Morocco-Trips.
- Dein eigenes Boardbag, falls du eigene Bretter mitbringst. Leihboards in Tamraght sind für die meisten völlig in Ordnung – siehe unsere Kostenaufstellung für Surf-Camps –, aber wenn du wählerisch bist, bring deine eigenen Bretter mit und pack ein Ersatzset Finnen sowie eine Leash ein. Finnen gehen gerne mal verloren.
- Eine ausgedruckte Kopie deines Reisepasses und deiner Auslandskrankenversicherung. Das WLAN hier ist nicht immer dann verlässlich, wenn man es gerade dringend braucht.
- Ein Buch. Bei jedem Surftrip gibt es Leerlaufzeiten, über die keiner spricht – zum Beispiel die Lücke zwischen 14 und 17 Uhr, wenn der Wind auffrischt und man auf die nächste Session wartet. Dein Handy wird dich irgendwann langweilen.
Was du getrost zu Hause lassen kannst
Denn deine Tasche hat ein Gewichtslimit, und die Hälfte der „Must-haves“ auf Online-Packlisten ist ohnehin nur Füllmaterial.
- Riffschuhe. Haben wir oben schon geklärt. Werden von 90 % der Surfer hier nicht gebraucht.
- Eine Drohne. Rechtliche Grauzone, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Zoll beschlagnahmt. Den Ärger nicht wert.
- Riesige Mengen Proteinpulver. Es gibt hier Geschäfte. Die Surf-Camps verpflegen dich bestens. Du überlebst auch mal eine Woche ohne deinen 5-kg-Eimer.
- Schicke Kleidung zum Ausgehen. Tamraght ist ein Ort für Flip-Flops und Hoodies. Heb dir die Hemden für Marrakech auf, und selbst dort geht es entspannt zu.
- Bikinioberteile, die nicht bombenfest sitzen. Der Atlantik ist hier nicht gerade zimperlich. Pack lieber Sport-Bikini-Tops statt knapper Triangel-Varianten ein.
- Dein Ego, was dein Surf-Level angeht. Kannst du ebenfalls zu Hause lassen.
FAQ
Welche Neoprenanzug-Dicke brauche ich für Morocco?
Das hängt ganz vom Monat ab. Juni–Oktober: Vom 2mm Shorty bis zum 3/2er Fullsuit. November–Dezember: Ein 3/2er mit Thermo-Unterzieher, ab Mitte Dezember dann ein 4/3er. Januar–März: Ein 4/3er Fullsuit, eventuell mit einer 2mm Haube, wenn du leicht frierst. April–Mai: Ein 3/2er. Ein 5/4er ist das ganze Jahr über übertrieben, es sei denn, du paddelst im Januar im Morgengrauen raus und bleibst drei Stunden im Wasser.
Muss ich mein eigenes Surfboard mitbringen?
Nicht wirklich. Die meisten Surf-Camps in Taghazout und Tamraght vermieten Boards, und die Shops an der Hauptstraße haben ordentliche Shortboards, funboards und Longboards für etwa 100–150 Dirham pro Tag. Bring dein eigenes Brett mit, wenn du ganz bestimmte Vorlieben beim Material hast oder auf einem Niveau surfst, auf dem die Boardwahl entscheidend ist. Ansonsten spar dir die Gebühren für den Flug.
Kann ich Sonnencreme und Drogerieartikel in Tamraght kaufen?
Ja, aber die Auswahl ist eingeschränkt und für die gebotene Qualität recht teuer. Einfache Zahnpasta, Shampoo, Waschmittel – kein Problem, kauf das ruhig hier. Gute, rifffreundliche Zink-Sonnencreme, Kontaktlinsenflüssigkeit oder spezielle Medikamente solltest du aber unbedingt von zu Hause mitbringen.
Lohnt es sich, schicke Kleidung für Restaurantbesuche einzupacken?
Nein. Tamraght und Taghazout sind reine Surf-Orte. Selbst in den schickeren Locations – wie den Restaurants direkt am Strand oder Bars für Sunset-Cocktails – ist man mit Jeans und einem sauberen Shirt absolut passend gekleidet. Wenn du einen Tag in Marrakech verbringst, ist ein etwas schickeres Outfit völlig okay. Mehr brauchst du nicht.
Wie viel Bargeld sollte ich mitnehmen?
Das hängt von der Dauer deines Trips ab und davon, ob dein Surf-Camp All-Inclusive ist. Für eine Woche voller Extras – Abendessen gehen, Taxis, Trinkgelder, Souvenirs, Kaffee – solltest du mit etwa 1500–2500 Dirham (€140–€230) in bar planen. Bring lieber Euro-Scheine zum Wechseln mit, anstatt alles an den Geldautomaten vor Ort abzuheben, da dort oft hohe Gebühren anfallen und die täglichen Limits niedrig sind. Und denk dran: kleine Scheine.