Morocco: Bargeld oder Karte? Die kurze Antwort zuerst.
Bring ein paar Euro mit, nutz deine Karte, wo es geht, und heb dir Dirham am Geldautomaten ab, sobald du hier bist. Tausch kein Geld am Flughafen von Agadir um, es sei denn, du verbrennst gerne zwanzig Prozent davon.
Das ist der ganze Guide in drei Sätzen. Wenn du die Details wissen willst — welche Geldautomaten in Taghazout keine Karten fressen, welches Café in Tamraght ein funktionierendes Kartenlesegerät hat, wie viel Bargeld du in einer Woche verbrauchst und wie viel Trinkgeld du dem Parkplatzwächter geben solltest —, lies einfach weiter.
Warum du vor dem Abflug keine Dirham bekommst
Der Dirham (MAD) ist eine geschlossene Währung. Es ist illegal, sie aus dem Land auszuführen, und streng genommen auch illegal, sie einzuführen. Deine Bank in Manchester oder Berlin kann sie nicht für dich bestellen. Und diese „Wir haben jede Währung“-Schalter am Flughafen Heathrow? Die haben diese hier garantiert nicht.
Das verunsichert viele Leute. Muss es aber nicht. In Morocco gibt es Geldautomaten, Ladenbesitzer nehmen im Notfall auch Euro, und du kannst um 2 Uhr nachts landen und trotzdem noch Bargeld holen, bevor du am Taxistand bist. Du kannst es nur nicht so im Voraus planen, wie du es für Thailand oder die Türkei tun würdest.
Die praktische Variante: Lande mit 100–200 Euro in bar als Backup und steuere in den ersten 24 Stunden einen Geldautomaten an. Das ist alles.
Die Wechselstuben-Abzocke am Flughafen Agadir (und ja, es ist Abzocke)
Wenn du aus der Ankunftshalle am Flughafen Al Massira kommst, siehst du zwei oder drei Wechselstuben. Freundliche Leute, große Schilder. Sie tauschen deine Euro liebend gerne in Dirham um.
Allerdings bieten sie dir auch einen Wechselkurs, der rund 10–15 % schlechter ist als der echte Devisenmittelkurs, und behalten oft noch ein paar Prozent „Kommission“ ein, die sie erst erwähnen, nachdem sie deine Scheine gezählt haben. Bei 500 Euro sind das mal eben 60–80 Euro, die weg sind, noch bevor dein Taxi den Parkplatz verlassen hat.
Faustregel: Was auch immer Google als Wert für einen Euro anzeigt – die Wechselstube am Flughafen bietet dir davon etwa 85 % des Wertes an. Der Geldautomat 40 Meter weiter gibt dir 98 %. Dreimal darfst du raten, welchen du nutzen solltest.
Es gibt Geldautomaten in der Ankunftshalle — die Attijariwafa Bank und die Bank of Africa (ehemals BMCE). Nutz diese und lass die Wechselstube komplett links liegen.
Geldautomaten in Taghazout und Tamraght: Der ehrliche Überblick
Hier stoßen die typischen Standard-Geld-Guides für Morocco an ihre Grenzen. Sie erzählen dir: „Geldautomaten sind überall vorhanden.“ Klar. Enttäuschungen übrigens auch.
Tamraght
- Attijariwafa Bank in der Nähe des Kreisverkehrs an der Hauptstraße — meistens zuverlässig, maximal 2000 MAD pro Abhebung, ca. 30 MAD Gebühr.
- Bank of Africa — ähnliche Limits. Hat am Sonntagnachmittag und freitags nach dem Gebet oft kein Bargeld mehr. Kein Scherz.
Taghazout
- Zwei Geldautomaten an der Hauptstraße, beide nur wenige Gehminuten vom Fischmarkt entfernt: Attijariwafa und Al Barid Bank.
- Die Al Barid Bank hat tendenziell geringere Gebühren und höhere Abhebungslimits (manchmal bis zu 4000 MAD), ist aber auch am häufigsten außer Betrieb.
Das ungeschriebene Gesetz: Wenn ein langes Wochenende, ein Feiertag oder das Monatsende ansteht, geh frühzeitig zum Automaten. Wenn sie einmal leer sind, bleiben sie es meist bis Montag. Falls du an einem Sonntag dringend Geld brauchst: Die Automaten in Aourir (5 Minuten die Straße runter in Richtung Agadir) werden häufiger aufgefüllt.
Eine Warnung: Der Al Barid-Automat in Taghazout ist dafür berüchtigt, bei Verbindungsabbrüchen ausländische Karten einzuziehen. Wenn deine Karte geschluckt wird, bleibt dir nur der Anruf bei deiner Bank, um sie sperren zu lassen — aus dem Automaten bekommst du sie nicht wieder zurück.
Wo man mit Karte zahlen kann und wo nur Bargeld geht
Die Hälfte des Landes stellt klammheimlich auf Kartenzahlung um. Die andere Hälfte hält Kartenlesegeräte für eine kommunistische Verschwörung. So sieht es in einer Surfstadt aus.
Akzeptieren definitiv Karte
- Die meisten Surfcamps und Hostels (wir eingeschlossen — du kannst deinen Restbetrag bei der Ankunft mit Karte zahlen).
- Größere Restaurants an der Hauptstraße von Taghazout: Cafe Mouja, World of Waves, L'Auberge.
- Munga's Lebensmittelladen in Taghazout, manchmal.
- Surfshops, die Boards und Neoprenanzüge verkaufen — je teurer der Artikel, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Karte wollen.
Nur Bargeld, ohne Ausnahmen
- Der Fischmarkt und die Fischgrill-Stände unten am Hafen.
- Taxis. Ausnahmslos jedes einzelne.
- Der Brotverkäufer, die Msemen-Frau, der Typ, der Avocado-Saft aus einem Karren verkauft, und der Mann, der deine Delle im Board für 100 Dirham repariert.
- Die meisten Cafés in Tamraght — mit einer Ausnahme: Das Auberge Tamraght hat ein Stripe-Lesegerät, das in etwa 80 % der Fälle funktioniert. Frag lieber nach, bevor du bestellst.
- Das Hammam. Bring Bargeld mit ins Hammam. Du bist nackt, also klär das vorher.
Wenn ein Laden behauptet, das Gerät sei kaputt, ist es das manchmal tatsächlich — und manchmal ist es einfach nur Dienstag. Diskutier nicht lange herum. Geh einfach zum nächsten Geldautomaten.
Wie viel Bargeld du mitbringen (und pro Woche abheben) solltest
Für eine Woche in Taghazout oder Tamraght solltest du für die täglichen Ausgaben abseits deiner Unterkunft und deines Surf-Pakets in etwa folgendes Budget einplanen:
- Frühstück im Café (Msemen, Orangensaft, Minztee): 30–50 MAD.
- Tajine- oder Fisch-Mittagessen: 60–120 MAD.
- Abendessen im Restaurant: 80–180 MAD.
- Sammeltaxi (Grand Taxi) nach Agadir: 15–20 MAD geteilt, 150 MAD für das ganze Auto.
- Ein Bier an einem Ort, der Bier verkauft (siehe den Alkohol-Beitrag): 40–60 MAD.
Realistische wöchentliche Barausgaben für Surfer, die mittags und abends auswärts essen: 1500–2500 MAD (ca. 140–230 Euro). Bring 200 Euro als Puffer mit, heb bei der Landung etwa 2000 MAD ab und stocke Mitte der Woche wieder auf.
Bring am besten kleine Scheine mit. Um 7 Uhr morgens hat niemand Wechselgeld für einen 200-Dirham-Schein, wenn du nur einen Kaffee willst. Und die Automaten spucken mit Vorliebe 200er aus. Du wirst die ersten drei Tage damit verbringen, sie irgendwie zu wechseln.
Trinkgeld: Was wirklich erwartet wird
Trinkgeld ist hier üblich, wird aber nicht aufdringlich eingefordert. Niemand wird dich die Straße runterjagen. Du wirst jedoch einen etwas herzlicheren Service bekommen, wenn du regelmäßig Trinkgeld gibst.
- Restaurants: Aufrunden oder 10 % in gehobeneren Lokalen hinterlassen. 5–20 MAD im Café.
- Taxis: Auf die nächsten 10 Dirham aufrunden. Wenn der Fahrer mit dem Gepäck hilft, noch einmal 10 dazu.
- Surflehrer: Nicht Pflicht, wird aber geschätzt. 50–100 MAD am Ende der Woche ist großzügig und völlig normal.
- Der Typ in der Warnweste, der dir beim Parken „hilft“: 2–5 MAD. Ja, immer. Er ist kein offizieller Angestellter. Bezahl ihn trotzdem. Das gehört dazu.
- Hammam-Peeling: 20–30 MAD für die Frau, die dich gerade einmal komplett runderneuert hat.
- Zimmerservice/Reinigung: 20 MAD pro Tag ist großzügig.
Niemand möchte Euro als Trinkgeld. Nur Dirham. Jemandem ein Zwei-Euro-Stück in die Hand zu drücken, das er nicht ausgeben kann, ist schlimmer, als gar nichts zu geben.
Kartengebühren, Wechselkurse und die klügste Taktik
Deine Hausbank berechnet dir wahrscheinlich zwei Dinge, jedes Mal, wenn du hier einen Geldautomaten benutzt: eine Fremdwährungsgebühr (1–3 %) und die Betreibergebühr des Automaten (die 30 MAD, die die Attijariwafa verlangt). Wenn deine Karte dann noch schlechte Wechselkurse bietet, kommen noch einmal 2 % dazu.
Die Lösung: Bring eine Karte mit, die keine Auslandseinsatzgebühren verlangt. Revolut, Wise, Monzo, N26, Bunq — all diese bieten dir Kurse nah am Devisenmittelkurs und keine Gebühren für die Umrechnung von Euro in Dirham. Die 30 MAD Gebühr des Automaten zahlst du zwar trotzdem, aber das war's dann auch.
Heb lieber selten größere Beträge ab. Fünf Abhebungen von je 400 MAD kosten dich 150 MAD an Gebühren. Eine einzige Abhebung von 2000 MAD kostet dich nur 30 MAD.
Wenn dich das Kartenterminal fragt, ob du in Euro oder Dirham abrechnen willst, wähle immer Dirham. Bei der Euro-Option wird ein Kurs verwendet, den das Terminal direkt vor Ort erfunden hat — und der ist furchtbar.
FAQ
Kann ich in Morocco direkt mit Euro bezahlen?
In Touristengegenden manchmal ja. Ein Taxifahrer oder Ladenbesitzer nimmt sie vielleicht an, aber zu einem Kurs, der stark zu seinen Gunsten ausfällt. Für Notfälle okay, als Strategie unbrauchbar. Besorg dir Dirham.
Ist es sicher, nachts in Taghazout Geldautomaten zu benutzen?
Ja, absolut. Taghazout und Tamraght sind ruhige Orte mit sehr geringer Kriminalität. Nutz einfach den gesunden Menschenverstand: Geh an die Hauptstraße, nicht in eine dunkle Seitengasse. Das größere Risiko ist, dass der Automat leer ist, nicht, dass du ausgeraubt wirst.
Kann ich mein Surfcamp mit Karte bezahlen?
Bei uns ja, und auch bei den meisten anderen Camps hier in der Gegend. Frag aber lieber vor der Buchung nach — einige der kleineren, familiengeführten Unterkünfte nehmen bei der Ankunft immer noch nur Bargeld.
Was mache ich mit meinen restlichen Dirham, wenn ich abreise?
Rein rechtlich darfst du nicht viel ausführen. Gib das Geld am Flughafen aus (es gibt einen ganz netten Souvenirladen und ein Café) oder tausche es an genau der Wechselstube zurück, der du zu Recht misstraust. Der bessere Plan: Verbrauche dein restliches Geld einfach in den letzten zwei Tagen.
Muss ich meiner Bank Bescheid geben, dass ich nach Morocco reise?
Bei den meisten modernen Banken nicht — aber eine kurze Info über die App dauert nur zehn Sekunden. Was du definitiv vermeiden willst, ist eine gesperrte Karte nach deinem ersten Abhebungsversuch in Agadir um 1 Uhr nachts.